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COLOSTRUM IM RADSPORT

Aachen, 26. Juli 2009:

Die diesjährige Tour de France steht wieder im Mittelpunkt des internationalen Sportgeschehens. Rund 1800 Journalisten berichten aktuell über das Duell Armstrong gegen Contador. Wie begeistert Sie als Radsportfan und natürlich auch Sportarzt der bisherige Verlauf der Tour?

Dr. Marco Prümmer: Ich verfolge die Tour in diesem Jahr eigentlich nicht wirklich. Die Leistungen der Radfahrer sind überragend. Wenn Sie bedenken, dass diese Athleten tagtäglich über so viele Tage Höchstleistungen erbringen, kann man nur den Hut vor jedem ziehen, der die Tour de France mitfährt.

Die Zuschauerzahlen sind überall gestiegen. Allerdings sind die Fernsehsender ARD und ZDF in der Berichterstattung zurückhaltender. Leidet der Radsport nach Ihrer Auffassung in Deutschland zu Recht unter den Doping-Skandalen der letzten Jahre?

Dr. Marco Prümmer: In vielen anderen Ländern wird die Doping Diskussion nicht so kontrovers geführt wie in Deutschland. Viele wollen vielleicht nur guten Sport und TOP Leistungen sehen. Ob jemand dopt oder nicht dopt ist da sekundär. In Deutschland wird das wohl anders gesehen. Ich behaupte, viele deutsche Medienvertreter und auch Funktionäre der Verbände wissen, dass die gezeigten Leistungen ohne Doping gar nicht möglich wären. Ich halte die öffentlich Empörung der Medienvertreter und der Funktionäre für verlogen.

Leben wir alle miteinander nicht so ein bisschen in einer „verlogenen Welt“?

Wir wissen doch nur allzu gut, dass es beim Radsport nicht nur um „Ruhm und Ehre“ sondern um ein Milliardengeschäft geht, an dem vom Sportartikelproduzenten über die Pharmafirmen bis zur Medienindustrie ein riesiger Wirtschaftszweig beteiligt ist.

Alle wünschen sich den „sauberen dopingfreien Sport“, doch andererseits werden dem Spitzensportler immer größere Leistungen abverlangt. Passt das eigentlich für den einzelnen Athleten noch zusammen?


Dr. Marco Prümmer: Meiner Meinung nach (dafür habe ich keine schriftlichen Beweise) gibt es keinen Fahrer der ohne zu dopen die Tour de France mitfährt oder übersteht. Ich denke es kommt vor allem darauf an, dass die Radfahrer durch die Dopingmittel keine gesundheitlichen Schäden erleiden. Ich lehne Doping strikt ab aber wer denkt, dass es Doping freien Spitzensport gibt, der ist auf dem Holzweg.

Schauen Sie sich beispielsweise mal die Gesichtsform von Lance Armstrong von vor 10 Jahren an und von heute. Wieso hat Armstrong heute ein wesentlich markanteres Kinn als früher?

Radsport ist ein Milliarden Geschäft, Sponsoren und Verbände wollen gute Ergebnisse sehen, auf Kosten der Athleten. Die Einschaltquoten der Medien zählen und dafür ist jedes Mittel recht.

Die Spitzenathleten werden sehr gut betreut und auch ärztlich ständig überwacht, sodass die gesundheitlichen Schäden früh erkannt – und evt. therapiert werden können. Mir machen eher die Breiten – und Freizeitsportler Sorgen. Die Spitzenathleten sind nur die Spitze des Eisberges. Die breite Masse dopt was das Zeug hält. Das fängt schon bei kleinen Dorf-Vereinen an. Dort gibt es jedoch kaum Betreuungen und die gesundheitlichen Risiken sind gar nicht abzusehen.

Das Internationale Olympische Komitee hat eine Liste mit Doping-Substanzen erstellt. Radprofis müssen den Sportärzten absolut vertrauen. Sie trainieren über Jahre sehr hart für ihre sportliche Karriere. Warum gibt es bei der wissenschaftlichen Bewertung des Colostrum in der gesamten Sportmedizin bis heute keine Einigkeit?

Dr. Marco Prümmer: Die Athleten wollen ihre Leistung bringen, um jeden Preis. Leider gibt es skrupellose Kollegen, Apotheker und Lobbyisten, die keine ethischen Bedenken haben in diesem Milliardenspiel mitzutun und sich als Erfüllungsgehilfen teuer zu verkaufen. Colostrum ist kein Dopingmittel, sondern in Deutschland als Lebensmittel der eigenen Art zugelassen. In vielen anderen Ländern ist Colostrum ein Milchprodukt. Colostrum enthält allerdings Wachstumshormone, u.a. IgF1. IgF 1 steht auf der Dopingliste. Viele Ausdauersportler nehmen Colostrum zur Leistungssteigerung ein. Kein Sportler, der bisher nur Colostrum eingenommen hat ist jemals positiv auf IgF1 getestet worden. Colostrum selbst steht nicht auf der Dopingliste.

So wird um Colostrum seit Jahren eine kontroverse Diskussion geführt.

Die Deutsche Sporthochschule Köln hat, Berichten zu Folge, Nahrungsergänzungsmittel untersucht  und festgestellt, dass von 634 Nahrungsergänzungsmitteln allein 94 Präparate positive Befunde für verbotene anabol -androgene Steroide aufwiesen, die nicht auf der Packung deklariert waren. Darunter stammten Präparate auch von Firmen aus Deutschland. Was halten Sie z.B. von einzelnen Vitamin-Präparaten, die man sogar schon im Supermarkt erhält und wie unterscheiden diese sich inhaltlich in ihrer Zusammensetzung vom Colostrum?

Dr. Marco Prümmer: Jedes Nahrungsergänzungsmittel kann theoretisch durch unsaubere Verarbeitungsprozesse verunreinigt werden. Hier ist es wichtig, nur Produkte von namhaften Herstellern zu kaufen. Ich halte wenig von synthetischen Vitaminpräparaten. Deren Wirkungsgrad im Körper ist oft gering. Besser sind komplexe natürliche Produkte. Colostrum hat ca. 80 hochwirksame Bestandteile, die rein natürlich sind. Auch deren Kombination wurde von Mutter Natur zusammengestellt und exakt dosiert.

Auf der IOC-Dopingliste 2003 stehen u.a. folgende verbotene Substanzklassen, Peptidhormone und Analoga: HGH (human growth hormone), EPO (Erythropoietin,), Insulin (nur als Therapie bei Diabetes mellitus erlaubt), IGF-1 (insulin like growth factor), ACTH (adrenocorticotropes Hormon = Corticotropin), HCG (human chorionic gonadotropine = Choriongonadotropin), LH (luteinisierendes Hormon) – Das sind eine Reihe pharmakologische Begriffe, die der Laie kaum noch versteht, doch auch das oft von Ihnen erwähnte „IGF1“ ist darunter, was sich letztlich auch im Colostrum befindet. Also ist Colostrum dem Leistungssportler zur Einnahme besser abzuraten?

Dr. Marco Prümmer:  Das Nationale Anti – Doping Agentur Deutschland rät von der Einnahme ab. Die NADA rät jedoch auch von der Einnahme aller Nahrungsergänzungsprodukte ab, da diese verunreinigt sein könnten. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Colostrum keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Weiterhin ist mir nicht bekannt, dass ein Sportler nach der Einnahme von Colostrum jemals positiv getestet worden.

Medizinischen Berichten zu Folge wissen Radsportler, dass das Doping-Mittel EPO zu Muskelschwund führt, doch Sportmediziner verweisen darauf, dass Wachstumshormone viel gefährlicher sind. Einerseits führen sie zu einer schnellen Regeneration, doch andererseits auch zu einem abnormen Muskelzuwachs. Was wissen Sie darüber?

Dr. Marco Prümmer: Ich kann Ihre Ausführungen nur bestätigen. Es ist medizinisch sehr bedenklich, dem Körper Wachstumshormone isoliert zuzuführen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Colostrum enthält natürliche Wachstumshormone, die in einen Komplex von vielen anderen Wirkstoffen eingelagert sind. Colostrum hat bisher nur positive Auswirkungen auf die Gesundheit gezeigt. Es wirkt bei Sportlern Ausdauer fördernd und die Athleten regenerieren schneller. Weiterhin ist ein positiver Effekt auf den Muskelstoffwechsel zu beobachten. Noch mal, die NADA rät Leistungssportlern dringend davon ab, Colostrum einzunehmen.

Im Internet war zu lesen, dass der Physiologe Lee Sweeney von der Pennsylvania School of Medizine sich mit Altersforschung befasste, speziell der natürlichen Abnahme der Muskelmasse im Alter. Dazu injizierte er Mäusen das Gen für den Muskelwachstumsfaktor IGF-1 in die Beine. Diese Tiere behielten in der Tat ihre Muskelmasse bis ins hohe Alter. Und bei den Jungtieren vergrößerte sich die Muskulatur um 15 bis 30 Prozent. Man bezeichnete die Tiere dann als »Schwarzenegger-Mäuse« und es meldeten sich aus dem Sportbereich bei Sweeney Bodybuilder, die das „Wundermittel“ haben wollten. Forscher vom Salk Institute in La Jolla, Kalifornien machten ähnliche Erfahrungen. Im Rahmen ihres Projekts zur Bekämpfung der Fettleibigkeit schufen sie Mäuse, die doppelt so weit rennen können wie ihre Artverwandten. Die »Marathon-Maus« weckte sofort das Interesse von Langstreckenläufern. Sind diese Forschungsergebnisse für die Menschheit nun ein Fluch oder mehr ein Segen? Begegnen uns solche medizinischen (Aus-) Wirkungen auch durch das IGF1 im Colostrum?

Dr. Marco Prümmer: Ja in der Tat. Colostrum wirkt anabol, hat aber, im Gegensatz zu isoliert zugeführtem IgF1, keine negativen Nebenwirkungen. Dazu wurden u.a. Studien an der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt. Prof. Beuth von der Deutschen Sporthochschule Köln hat nachgewiesen, dass bei Gabe von Colostrum kein malignes Zellwachstum wegen IgF1 stattfindet.

Wenn isoliert Wachstumshormone zugeführt werden, dann wachsen auch die Endglieder der Gliedmassen, wie bei der Krankheit der Akromegalie. Auch z.B. das Kinn, bzw. der Kiefer von Athleten kann wachsen.

Dopingmittel sind doch eigentlich auch pharmazeutische Wirkstoffe, die zur Behandlung von Kranken eingesetzt werden können. Raten Sie uns als erfahrener Arzt und Colostrum-Forscher, der mit dem Stoff Colostrum schon sehr lange arbeitet, den Stoff Colostrum besser mehr aus dieser Sichtweise zu betrachten? Es ist schließlich unstrittig, dass Wachstumshormone auch überschüssige Körperfülle schwinden lassen. Die Haut verbessert sich dadurch und das Unterhautfettgewebe schwindet. Ist da nicht gerade Colostrum für „Übergewichtige“ ein wahres „Geschenk der Natur“, wenn sie dann auch nicht bereit sind, sich ab und zu mal aufs Fahrrad zu setzen?

Dr. Marco Prümmer: Colostrum wirkt auch lipolytisch. D.h. das Fettgewebe kann schneller schmelzen. Allerdings funktioniert das auch nicht ohne Training bzw. einer bilanzierten Ernährung.

Der Mitgliederzuwachs der Sportvereine in Deutschland ist in den letzten Jahren von 23,8 Millionen im Jahr 1990 auf mittlerweile 26,8 Millionen angewachsen. Im Amateur- und Freizeitsport erfreut sich der Radsport einer großen Beliebtheit. Ist die Einnahme von Colostrum Breitensportlern zu empfehlen. Wenn ja, warum?

Dr. Marco Prümmer: Colostrum stabilisiert das Immunsystem, hilft den Darm zu regulieren und stabilisiert den Organismus. Auch die Infektanfälligkeit bei hoher Trainingsintensität nimmt deutlich ab.

In so fern ist Colostrum für jeden Freizeit – und Breitensportler geeignet. Ich weise jedoch auch hier ausdrücklich darauf hin, dass die NADA von der Einnahme des Colostrum abrät.

Noch läuft die Tour de France. Doch bereits am 22. Juli 2009 startete zum 25. Mal die Sachsen-Tour-International in Dresden. In der Startliste stehen unter anderem die Teams Milram, Columbia, CSC Saxo Bank und Rabobank. Es bleibt auch hier zu hoffen, dass auch dieses Sportevent Doping-Skandal frei bleibt. Denken Sie als Sportarzt nicht auch, dass alle Leistungssportler über die Gesundheitsrisiken der Dopingmittel hinreichend genug aufgeklärt sind und als mündige Athleten besser selbst entscheiden sollten, was für ihre Gesundheit gut ist und was nicht? In unserer Gesellschaft dopen wir doch alle mal, indem wir ab und zu ein Gläschen Alkohol trinken. Sind die Maxime im Leistungssport diesbezüglich zu streng?

Dr. Marco Prümmer: Als Arzt sehe ich die Einnahme aller Dopingmittel immer unter gesundheitlichen Aspekten. Die Risiken vieler Substanzen sind von den Sportlern nicht wirklich abzuschätzen. Ich persönlich sehe den Sport auch nicht unter einem Leistungsaspekt.

Sport ist Lebensqualität. Wenn ich mich aufs Rad setze, laufe oder ins Fitness Studio gehe, dann genieße ich das. Wenn ich Sport treibe, dann vergesse ich Raum und Zeit und atme einfach nur den Moment.

Solange viele Menschen sich beweisen wollen, schneller, höher und besser zu sein als andere, solange wird gedopt werden.

Ob wir das wollen oder nicht. Ich als Arzt und Mensch habe für mich entschieden, dass ich dieses Spiel nicht mitspiele.

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